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Doch dass in der St.-Christophori-Kirche verschiedene Konfessionen und Nationalitäten zusammenkommen, so wie Thomas und Magdalena Maruck, ist ein wichtiges Anliegen von Pfarrer Andrzej Fober. Er sieht seine Kirche als Treffpunkt für alle Menschen, die Deutsch verstehen, aber nicht nur. „Wir sprechen ja auch polnisch, also können auch polnischsprachige Menschen zu uns zum Gespräch kommen.“ Ein Ort der Völkerverständigung soll seine Kirche sein. Dafür stehen auch die neuen Kirchenfenster, auf denen Edith Stein, Dietrich Bonhoeffer, Pater Maximilian Kolbe und Bischof Juliusz Bursche abgebildet sind. Alle vier waren Doktoren der Theologie und sind als Gegner des Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg umgebracht worden. „Wir als evangelische Gemeinde deutscher Sprache möchten ein Zeichen setzen, weil heute wieder viele gefährliche nationalistische Strömungen lebendig werden. Wenn das Böse sich zeigt, dürfen wir nicht schweigen“, sagt Pfarrer Fober.

Die neuen Fenster mit der eindringlichen Botschaft sind erst in diesem Herbst eingesetzt worden, aus Anlass von 60 Jahren Wiederaufbau der Kirche. Im Krieg wurde sie in der Festung Breslau fast komplett zerstört. „Alles, was wir hier vorfinden, ist neu. Die Kirche war ruiniert und lag in Schutt und Asche. Dann wurde glücklicherweise entschieden, sie wiederaufzubauen“, sagt Pfarrer Fober. Am 14. Dezember 1958 wurde die Kirche wieder geweiht und für den kirchlichen Dienst eröffnet. Die damalige Verwaltung der Stadt hat sie der deutschen evangelischen Minderheit zur Verfügung gestellt.

Pfarrer Fober predigt seit 19 Jahren hier in deutscher Sprache. Ursprünglich stammt er aus dem Teschener Schlesien, einer vorwiegend evangelisch geprägten Region im Südwesten Polens nahe der tschechischen Grenze. „Wir sehen uns gern als eine Art Österreicher. Unsere Heimat war bis Ende des Ersten Weltkrieges ein Teil der Monarchie“, sagt Fober und lacht. Die deutsche Sprache hat er erst als Erwachsener gelernt. „Zu Hause haben die Eltern auch ab und zu deutsch gesprochen“, erinnert er sich, „aber immer nur dann, wenn wir Kinder nichts verstehen sollten.“ Dass er in eine deutsche Gemeinde kommen würde, war deshalb eine Überraschung. „Als mir 1999 diese Gemeinde angeboten wurde, dachte ich, es würde nur vorläufig sein. Eine Gemeinde, mit der es schon zu Ende geht“, gibt Pfarrer Fober zu. Dass die Gemeinde, die ihm nach fast 20 Jahren ans Herz gewachsen ist, mit vielen Projekten weiterhin aktiv ist, freut ihn umso mehr.

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