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Asylpolitik

Flüchtlingskinder lernen in Polens Schulen – noch

In den Schulen lernen Flüchtlingskinder viel leichter auch die polnische Sprache. FOTO: fotolia / Photographee.eu/Fotolia

Warschau. Noch besuchen Flüchtlingskinder in Polen öffentliche Schulen. Doch eine geplante Verordnung des Innenministeriums, die zurzeit noch auf Eis liegt, könnte das schlagartig ändern. Für die Kinder wäre es eine Katastrophe.

„Mussa, komm runter! Spielen!“, schreit der achtjährige  Marek. Im ersten Stock der Warschauer Tadeusz Gajcy-Grundschule erscheint ein tschetschenischer Knirps kurz am Fenster, hält triumphierend einen Fußball in die Höhe und ist zwei Minuten später auf dem Schulhof. „Marek, Mussa!“, ruft die Schuldirektorin Wieslawa Dziklinska ihnen zu: „Da hinten!“. Sie zeigt auf den Platz hinter dem Freiluft-Fitness-Studio, an dessen Geräten die 13- und 14-Jährigen schon turnen.

 Die 58-Jährige lacht: „Da kann wenigstens kein Fenster zu Bruch gehen.“ Leise fügt sie hinzu: „In unserer Schule lernen und spielen die Kinder aus dem Flüchtlingsheim. Wir sehen förmlich, wie sie aufblühen. Sie lernen Polnisch, finden neue Freunde und vergessen langsam das Schreckliche, das sie in ihrem Leben schon gesehen haben.“ Verstohlen reibt sie sich die Augen und flüstert: „Ich hoffe, nach den Ferien sehen wir alle wieder!“

Sicher ist dies keineswegs. Denn Polens Innenministerium plante noch Anfang des Jahres, Flüchtlingskinder aus den öffentlichen Schulen herauszuholen und demnächst nur noch in Asylbewerberheimen unterrichten zu lassen – auf Antrag der Kommunen. Tatsächlich hatte schon der Bürgermeister von Gora Kalwaria, der in seinem Ort massive Probleme mit Rechtsradikalen hat, einen solchen Wunsch geäußert.

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