ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
Blick nach Polen

Zwischen Zukunft und Vergangenheit

Schon die Personen kann man als Ausdruck des wirtschaftlichen Kräfteverhältnisses interpretieren: Peter Altmaier versuchte aber, dies gegenüber seiner Amtskollegin Jadwiga Emilewicz so gut wie möglich zu kaschieren, um polnische Empfindlichkeiten nicht noch zu befördern. FOTO: dpa / Radek Pietruszka

Warschau. In Warschau plante der deutsche Ressortchef Wirtschaftskontakte, zudem fand eine Konferenz zu Reparationsansprüchen statt.

Wie sie da so am Donnerstag nebeneinander stehen, sind der wohlgenährte deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und seine zierliche polnische Amtskollegin Jadwiga Emilewicz fast ein Symbol für das wirtschaftliche Kräfteverhältnis beider Länder. Doch gerade dieses Ungleichgewicht geschickt zu kaschieren, war eine der Herausforderungen, die Altmaier beachten musste. Dazu gehörte auch, dass er gleich vier Ressortkollegen zu besuchen hatte – denn neben Emilewicz, die für Unternehmertum und Technologie zuständig ist, gibt es in Warschau noch drei weitere Minister, von denen einer für Investitionen und Entwicklung, ein weiterer für die Digitalisierung und der dritte für die Energie verantwortlich ist.

Für diese Aufsplittung des Wirtschaftsressorts, das er einst selbst leitete, hat der aktuelle Regierungschef Mateusz Morawiecki gesorgt, der für sich in Anspruch nimmt, der eigentliche große Wirtschaftslenker Polens zu sein. Er will sein Land von einer verlängerten Werkbank Deutschlands in ein Hochtechnologie-Land verwandeln. Und weil man auch in Berlin eine neue Gesprächsbasis mit den Nachbarn sucht, war Altmaier mit dem Vorschlag angereist, eine gemeinsame Kooperation bei der Fertigung von Batteriezellen für Elektroautos zu schaffen. Vor Ort fügte er hinzu, dass es Anfang kommenden Jahres einen großen Wirtschaftsgipfel geben soll, bei dem die künstliche Intelligenz und die Industrie 4.0 im Vordergrund stehen sollen. Auch an einem Treffen im Rahmen des Weimarer Dreiecks mit Frankreich zur Digitalisierung zeigte er großes Interesse.

Ginge es rein nach dem Umfang der Wirtschaftsbeziehungen, wäre zwischen den Nachbarländern alles paletti. Polen lag im vergangenen Jahr auf Rang sieben der weltweit wichtigsten Handelspartner Deutschlands, und für die östlichen Nachbarn ist die Bundesrepublik seit vielen Jahren der größte Partner, der fast ein Drittel aller polnischen Exporte abnimmt. Das Handelsvolumen betrug im vergangenen Jahr rund 110,5 Milliarden Euro, dürfte in diesem Jahr aber schon wieder gewachsen sein.

top