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Wie wirkt sich das aus?

Salomo Da kommen dann noch andere Faktoren dazu, wie hohe Abwanderung und damit hohe Alterung der Gesellschaft. Auf lange Sicht hat der Wegzug von Frauen einen Effekt auf die Mentalität der Menschen, die am Ort bleiben. Sie fühlen sich benachteiligt und haben Angst, auf die Verliererseite zu geraten. Das führt zu Abstiegsängsten und Verunsicherung, denn diese Prozesse haben sich über lange Zeit entwickelt und werden auch immer schlimmer. Aufgrund der Unsicherheit und gefühlten Benachteiligung sind die Menschen in bestimmten Regionen zum Beispiel weniger gewillt, Neuankömmlinge zu akzeptieren.

Warum ziehen die Frauen aus Ostdeutschland weg?

Salomo Der Osten hat sich zwar schon zu einer Dienstleistungsgesellschaft gewandelt, hängt aber noch weit hinter dem Westen zurück. Es gelingt Frauen besser, sich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden, weil von Frauen generell immer noch erwartet wird, sich anzupassen. Frauen arbeiten häufiger in Dienstleistungsberufen, dadurch ist der ostdeutsche Arbeitsmarkt für Frauen weniger interessant als für Männer, die vor Ort gut unterkommen.

Sind Frauen beweglicher als Männer?

Salomo Frauen ziehen nicht nur häufiger weg, sie kommen auch seltener zurück. Es ist nicht untypisch, dass junge Leute für die Ausbildung mal woanders hingehen – und dann wiederkommen. Frauen tun das seltener, weil sie leichter familiär Fuß fassen in Westdeutschland. Das heißt: Sie heiraten häufiger westdeutsche Männer. Umgekehrt haben ostdeusche Männer nicht die gleichen Chancen auf dem westdeutschen Heiratsmarkt. Das wirkt sich auch wieder auf das ungünstige Statusempfinden der Männer aus.

Unsere Gesprächspartnerin Katja Salomo Foto: Wissenschaftszentrum Berlin FOTO: privat
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