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USA

„Lasst uns die ganze Bande töten“

Bob Woodward berichtet in seinem Buch „Angst – Trump im Weißen Haus“ von beängstigenden Zuständen dort. FOTO: dpa / Cliff Owen

Washington . Der „Watergate“-Enthüller Bob Woodward hat ein Trump-Buch geschrieben, das Washington in Aufregung versetzt.

Um Schaden zu begrenzen, griffen sie bisweilen zu ungewöhnlichen Mitteln, die Berater des amerikanischen Präsidenten. Gary Cohn etwa, einst Wall-Street-Banker, dann zuständig für die Wirtschaftspolitik des Weißen Hauses, ließ unterschriftsreife Papiere vom Schreibtisch Donald Trumps verschwinden, sodass sie nicht signiert werden konnten. Was beispielsweise das Aus für ein Freihandelsabkommen mit Südkorea verhinderte, einen Vertrag, den der Protektionist Trump aufkündigen wollte, obwohl er den Süden im Atompoker mit Nordkorea als Verbündeten brauchte. Cohn habe die entsprechende Direktive von der Schreibtischplatte genommen, schreibt Bob Woodward, und Trump habe nicht gemerkt, dass etwas fehlte.

Anekdote für Anekdote hat Woodward zusammengetragen, wie das Regieren in Zeiten Donald Trumps funktioniert. Auf 448 Seiten zeichnet er die Skizze einer Machtzentrale, deren impulsiver Chef chaotische Entscheidungen triff, während ihn alarmierte Kabinettsmitglieder irgendwie auszubremsen versuchen. „Fear“, der Titel des Buchs, gründet auf einem Interviewsatz, mit dem der Kandidat Trump im Wahlkampf umriss, wie er politische Macht versteht. „Wahre Macht, ich will das Wort gar nicht benutzen, ist Angst.“

Am Dienstag wird der Wälzer erscheinen, dem Tag hat man entgegengefiebert wie einer wichtigen Abstimmung im Parlament. Nun aber hat die Washington Post die brisantesten Passagen bereits vorab publik gemacht – und die Stadt Washington in helle Aufregung versetzt. Es hagelt Dementis, Trump unterstellt dem legendären Chronisten, sich vor den Karren der Demokraten spannen zu lassen und Zitate erfunden zu haben. Was Woodward mit der Abgeklärtheit eines Altprofis kontert: Er habe auf Band aufgezeichnet, was ihm aktuelle und ehemalige Mitarbeiter der Regierung anvertrauten.

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