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Berlin

Zur Impfung in die Apotheke

Mit dem Impfangebot in Apotheken will Gesundheitsminister Jens Spahn auch jene Menschen erreichen, die noch eine Influenza-Schutzimpfung bekommen haben.FOTO: Pharma Suisse

Berlin. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will mit dem Vorhaben breiten Grippeschutz erreichen.

Weniger Leid durch Influenza: Der Gesundheitsökonom Professor Uwe May von der Hochschule Fresenius hat eine deutliche Senkung von Grippeerkrankungen errechnet, wenn auch Apotheker impfen dürften. Jährlich 900 000 Fälle könne es weniger geben. Das würde Deutschland Jahr für Jahr 4700 Krankenhauseinweisungen und 41 Grippetote ersparen, so seine Rechnung. Grundlage dafür waren Erfahrungen aus Ländern wie Irland, England und der Schweiz. May hat daraus geschlussfolgert, dass sich die Impfquote in der Bundesrepublik um zwölf Prozent erhöhen lassen könnte. Denn ganz bestimmt würden „viele Menschen das Angebot wahrnehmen. Aktuell sind lange Wartezeiten beim Arzt noch eine große Hürde“. Für den Gesundheitsökonomen ist Grippe keine Privatsache, denn eine Grippewelle könne die Volkswirtschaft beeinträchtigen und das Gesundheitssystem an seine Grenzen bringen. Impfen in der Apotheke würde sich seiner Meinung nach sogar gesamtwirtschaftlich rechnen.

Zwar müssten laut May die Kassen an die 340 Millionen Euro mehr bezahlen, dafür aber würden knapp drei Millionen Arbeitsunfähigkeitstage wegfallen. Was einer jährlichen Kosteneinsparung von über einer Milliarde Euro entsprechen würde. Kein Wunder also, dass May das Vorhaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) unterstützt, die Möglichkeit von Grippeimpfungen in Apotheken gesetzlich festschreiben zu lassen.

Was sich so einleuchtend anhört, ist aber längst noch nicht in trockenen Tüchern. Die deutsche Ärzteschaft läuft Sturm gegen das Vorhaben. Sie hatte sich auf dem Ärztetag Ende Mai in Münster erneut gegen das Impfen durch Apotheker ausgesprochen. Denn, so formulierte es der nach acht Jahren aus dem Amt geschiedene Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery in seiner letzten großen Rede: „Impfen ist nicht einfach nur ein Piks in den Arm!“ Dazu gehörten vorherige Befragungen und Untersuchungen von Patienten sowie Eingriffsmöglichkeiten bei Zwischenfällen. Die Verantwortung dafür könne auf gar keinen Fall an andere Berufsgruppen wie Apotheker übertragen werden. „Impfen gehört in ärztliche Hand.”

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