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Sachsen

Von „Arsch huh“ zu „#wirsindmehr“

„#wirsindmehr“ – unter diesem Motto versammelten sich am Montag vor der Chemnitzer Johanniskirche Zehntausende zum Konzert gegen rechts. FOTO: dpa / Sebastian Kahnert

Chemnitz. In Chemnitz gehen seit Tagen immer wieder Tausende auf die Straße – als Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit. Nun senden Musiker mit einem Konzert ein Signal gegen rechts.

Als Anfang der 1990er-Jahre Flüchtlingsheime brannten, stellten Kölner Musiker ein Konzert auf die Beine, das quasi über Nacht zur Legende wurde. Hunderttausend Menschen folgten dem Aufruf, ihren Hintern hoch zu kriegen: „Arsch huh, Zäng ussenander“, hieß das Motto auf Kölsch (Arsch hoch, Zähne auseinander). „Wie wär es, wenn du dem Blaumann jetzt sagst, dass du Rassistensprüche gar nicht verträgst?“ dichtete Wolfgang Niedeckens Band BAP damals. Den Song stellte die Gruppe nun wieder auf ihre Internetseite – als Werbung für das Konzert unter dem Motto „#wirsindmehr“, das als Reaktion auf fremdenfeindliche Aktionen am Montag in Chemnitz stattfand.

Knapp 30 000 Menschen hatten sich schon im Vorfeld auf Facebook als teilnehmend eingetragen, mehr als 100 000 ihr – teils auch symbolisches – Interesse bekundet. Auf der Bühne standen politisch wie musikalisch laute Stimmen wie die Punkrockbands Die Toten Hosen und Feine Sahne Fischfilet. Auch die Rapper von K.I.Z und die Chemnitzer Indieband Kraftklub waren dabei.

Eine Gruppe stand bei manchen besonders im Fokus: Die Verfassungsschützer in Mecklenburg-Vorpommern hatten Feine Sahne Fischfilet zwischenzeitlich wegen „linksextremistischer Bestrebungen“ im Blick, woran etwa AfD-Vertreter am Wochenende erinnerten. In sozialen Medien lautete eine Frage, wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für dieses Event werben könne. Ein Hinweis für das Konzert in Chemnitz wurde Ende vergangener Woche auf der Facebook-Seite des Bundespräsidenten geteilt. Die Band setzt sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus ein. Der CDU-Abgeordnete Philipp Amthor äußert auch Kritik an Steinmeier: „Es gehört nicht zu den Aufgaben eines Bundespräsidenten, für Konzerte zu werben, bei denen auch linke Bands auftreten, die in ihren Texten zu Gewalt gegen Polizisten aufrufen“, sagte er.

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