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Hintergrund

Lügen der Kolonialgeschichte

Das undatierte Archivbild aus dem "Kolonialen Bildarchiv" der Universitätsbibliothek Frankfurt/Main zeigt Frauen, Männer und Kinder vom Stamm der Hottentotten in Namibia. FOTO: picture-alliance / dpa/dpaweb / Universitätsbibliothek_Frankfurt

Berlin. Die deutsche Kolonialgeschichte war alles andere als harmlos. In seinem Buch „Wir Herrenmenschen“ räumt Bartholomäus Grill mit einigen liebgewordenen Mythen auf.

„Der Engländer war brutal, nicht wahr? Der Franzose - auch nicht ohne. Und der Portugiese erst! Vom Belgier gar nicht zu reden. Wir aber waren ganz anders, unsere Schwarzen mochten uns. Und sie kämpften gerne für unsere Sache.“ So polemisch zugespitzt beschreibt Bartholomäus Grill in seinem Buch „Wir Herrenmenschen“ die Haltung der Deutschen zu ihrer kolonialen Vergangenheit. Wenn sie nicht gerade komplett in Vergessenheit geraten sei, werde sie mit Zuckerguss überzogen. Klar, die Kolonialgeschichte der Deutschen liegt mehr als 100 Jahre zurück und währte auch nur kurz.

„Deutschland hatte einfach zu wenig Zeit, um größeren Schaden anzurichten“, ist eine verbreitete Meinung. Nach den Gräueln des Nationalsozialismus und Holocaust erschien die flüchtige Kolonialgeschichte im Rückblick geradezu als harmlose und ferne Episode. Doch das ist ein Trugschluss: Weder ist sie fern, noch war sie harmlos, wie der Afrika-Korrespondent des „Spiegel“ in seinem Buch zeigt. Gerade in jüngster Zeit ist das Thema wieder sehr aktuell. Das beweisen die Entschädigungsforderungen der Herero in Namibia ebenso wie die Diskussionen um die Rückgabe kolonialen Raubguts in Zusammenhang mit dem neuen Humboldt Forum in Berlin.

Mit der Legende, dass die Deutschen die besseren Kolonialherren waren und es nur wenige beklagenswerte Ausreißer gab, räumt Grill gründlich auf. Sein Buch ist keine angenehme Lektüre. Es ist kritisch, anklagend, oft auch polemisch, konfrontiert uns mit unbequemen Wahrheiten. Fast alle früheren deutschen Kolonialgebiete hat der Journalist bereist - von Togo und Kamerun, Namibia und Tansania in Afrika bis nach Tsingtau in China und Neuguinea im Pazifik.

(dpa/bob)
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