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Nach der Eskaltion

Was hat das noch mit Chemnitz zu tun?

Der Ort  in Chemnitz, an dem der 35 -jährige Daniel H. durch Messerstiche getötet worden ist. FOTO: dpa / Sebastian Kahnert

Chemnitz. Nicht wenige sagen, diese Ereignisse hätten in jeder ostdeutschen Stadt in dieser Größe passieren können.

Die Geschichte von der Lawine, die Chemnitz erfasst hat, kann nur an einem Ort beginnen, und der befindet sich auf der Brückenstraße zwischen zwei Absperrungen. Mitten auf dem Gehweg steht ein Kreuz, an dem zwei Cappys hängen. Die obere trägt den Schriftzug  „Cuba“, weil der 35-jährige Daniel H., der hier am 26. August erstochen wurde, kubanische Wurzeln hatte. Sein Foto steht auf dem Boden, umringt von Kerzen, Blumen, Briefen. „Blut hat immer dieselbe Farbe“, lautet die Botschaft auf einem Zettel. Auf einem anderen steht: „Unfassbar, dass die Demonstrationen nach einem schrecklichen Mord mehr Empörung hervorrufen als der Mord selbst.“

Rechts neben dem Kreuz steht eine Gruppe von schwarz gekleideten Menschen, die der Meinung sind, dass das ihr Platz ist. Den ganzen Tag haben einige von ihnen hier Wache gehalten. Sie halten ein Schild hoch, auf dem steht: „Wir sind Bürger, keine Nazis. Ihr habt das Blut von Daniel an euren Händen.“ Auf der anderen Seite des Platzes steht eine Gruppe von jüngeren Demonstranten, die etwas später gekommen sind. Auf ihren Schildern steht: „Ihr seid uns fremder als jeder Flüchtling.“ Zwischen ihnen stehen Polizisten.

Es ist der Montag, der Tag, an dem die Ereignisse in Chemnitz ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen. Der Himmel ist grau, doch die Luft ist warm, Menschen strömen entweder zur nahegelegenen Bühne, auf der prominente Bands ein Gratiskonzert spielen. Nur wenige verirren sich zu dem Kerzenmeer auf der Brückenstraße. „Es ist schade, dass so viele Menschen wegen des Konzerts kommen und nicht wegen dem, worum es eigentlich geht“, sagt ein junge Frau mit knallroten Haaren und vielen Piercings im Gesicht. Sie ist aus München angereist. „Es ging doch eigentlich darum, sich dem rechten Mob in den Weg zu stellen“, sagt ihr Freund. „Darum, zu zeigen, dass wir mehr sind und nicht die.“

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