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Schweden wählt am Sonntag

Jenseits von Bullerbü – die Bastion Schweden wackelt

Am Sonntag wird gewählt – 7,3 Millionen Schweden sind aufgerufen, einen neuen Reichstag und eine neue Regierung zu bestimmen.  FOTO: dpa / Michael Probst

Stockholm. 101 Jahre lang waren die Sozialdemokraten stärkste Partei. Doch die Flüchtlingskrise veränderte viel. Am Sonntag könnte eine Ära enden.

Es ist nicht lange her, da blickten die deutschen Sozialdemokraten mit leuchtenden Augen neidisch gen Norden. „Was die SPD von Schwedens Sozialdemokraten lernen kann“ titelte der „Vorwärts“ noch im Februar. Inzwischen dürften Zweifel aufkommen, ob die Schweden tatsächlich zum Vorbild taugen. Denn wenn am Sonntag gewählt wird, wackelt dort eine hundertjährige Dominanz. Zum ersten Mal seit 1917 könnten die Sozialdemokraten, die einst den berühmten Wohlfahrtsstaat aufbauten, nicht mehr stärkste Kraft im schwedischen Reichstag werden.

Im Mutterland der Sozialdemokratie hat die Flüchtlingskrise die Rechtspopulisten stark gemacht. Seit Monaten nähern sich die aus der Neonazi-Szene gewachsenen Schwedendemokraten und die Sozialdemokraten gegenseitig an - die einen gewinnen stetig, die anderen verlieren stetig. Rechtzeitig zur Wahl trifft man sich in der Mitte, irgendwo bei 22, 23 Prozent. Die meisten Umfrageinstitute sehen die Sozialdemokraten noch vorn, einige im Schlussspurt aber auch die Rechtspopulisten.

„Es ist klar, dass sie wieder ein Gewinner der Wahlen werden“, sagt der Göteborger Wahlforscher Henrik Oscarsson. Die wahre Unterstützung für die Schwedendemokraten sei kaum vorherzusagen. „Es ist schwer zu sagen, ob sie 16 bis 18 oder 24 bis 26 Prozent einfahren – das ist tatsächlich die Spanne in den Umfragen.“

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