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Nach 28 Jahren als unangefochtene Regierungspartei hat die CDU in Sachsen mit der AfD eine gefährliche Konkurrenz bekommen. Eine Partei also, die zugleich radikal rechts und bürgerlich ist – und damit wählbar für genau die Schichten, auf die die CDU immer zählen konnte. Diese Verschiebung in der konservativen Wählerschaft hat schon Konsequenzen. In Dresden ziehen sich drei jüngere CDU-Landtagsabgeordnete zurück – in ihren Wahlkreisen sind die Linken stark, sodass die AfD den bisher unangefochtenen CDU-Mandatsträgern die Mehrheit kappen könnte. Das zeigt, die einst so mächtige CDU muss nicht einmal direkt gegen die AfD verlieren, um durch die AfD zu verlieren. Umfragen sehen die CDU in Sachsen derzeit auf 29 Prozent – nur vier Prozentpunkte vor der AfD.

Warum das so kam, ist für Werner Patzelt sonnenklar: Die Christdemokraten haben eine Repräsentationslücke im konservativen Milieu entstehen lassen, in die sich nun die AfD erfolgreich gesetzt habe. Dann kam die aus Patzelts Sicht fehlerhafte Migrations- und Integrationspolitik der Bundesregierung hinzu, womit die AfD einen zentralen Mobilisierungsfaktor in die Hand bekam. Diese Fehler „nicht nur abzustellen, sondern den Bürgern die Lehren daraus glaubwürdig zu vermitteln“, sagte Patzelt jüngst in einem Interview, „entzöge der AfD schon einen Großteil ihrer Kraft“. Mit dieser Ansicht passt der Forscher gut in die sächsische CDU, denn so sehen das viele dort.

Dass Patzelt seine umstrittenen Ansichten nun aber ins CDU-Wahlprogramm gießen soll, regt in der sächsischen Opposition viele auf. Zumal der gebürtige Niederbayer in Dresden auf vielen Hochzeiten tanzt. Er besetzt die Professur für politische Systeme an der TU Dresden, schreibt einen Blog, ist Dauergast in Expertenrunden und zudem Kuratoriumsmitglied bei der Landeszentrale für politische Bildung.

Letzteres nun macht ihm ausgerechnet ein langjähriger Wegbegleiter streitig. Frank Richter, ehemaliger Direktor der Landeszentrale und Ex-CDU-Mitglied, fordert Patzelts Rücktritt aus dem Kuratorium, denn Patzelt könne als Wahlkämpfer für die Regierungspartei die Überparteilichkeit der Behörde nicht glaubwürdig vertreten, so Richter. Patzelt sieht das gelassen. Er finde es widersinnig, dass man von ihm als Politikwissenschaftler erwarte, ein „politischer Eunuch“ zu sein.

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