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Martin Dulig zog als Erster los. Mit dem Küchentisch aus seiner Wohnung in Moritzburg war der 44-jährige SPD-Chef schon im Wahlkampf 2014 unterwegs. Der Tisch, den er von Stadt zu Stadt fahren ließ, kam so gut an, dass Dulig auch nach der Wahl weiter tourte. Da war er schon Wirtschaftsminister – jedoch mit einem mageren Wahlergebnis von zwölf Prozent. Der SPD war klar, sie muss wieder ran an die Leute. Duligs Parteikollegin Petra Köpping (60), Ministerin für Gleichstellung und Integration, hat aus ihren Vor-Ort-Terminen ein neues Gewinnerthema gezogen. Sie bringt die Ungerechtigkeiten der Nachwendezeit im Osten zur Sprache und schafft es damit auch in die Talkshows. Köppings Ansatz polarisiert, aber er zeigt, wie sehr sich die Sachsen Anerkennung und persönliche Ansprache wünschen.

Die CDU zog nach dem Machtwechsel im Herbst 2017 nach. Der neue Ministerpräsident Michael Kretschmer war bei der Bundestagswahl selbst mit den Folgen verkümmerter Kommunikation konfrontiert worden. Er verlor sein Bundestagsmandat und erkannte, dass es für Sachsens CDU nach 27 Jahren an der Macht nicht mehr reicht, einfach zu regieren, wenn sie weiterregieren will. Sie muss ihr Handeln erklären, Kritik einstecken, aushalten und auch mal streiten.

Darin zeigt sich Kretschmer talentierter als sein Vorgänger Stanislaw Tillich. Dem Sorben fehlten in seinen neuneinhalb Jahren als Ministerpräsident oft die Worte, wenn es brenzlig wurde. Als die Sachsen zu Tausenden mit den Islamfeinden von Pegida durch Dresden liefen, fiel Tillich nichts ein, um die unter ihnen zu versöhnen, die sich nur unverstanden fühlten.

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