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Streit um den Wolf

Weidetierhalter fordern die Schutzjagd auf die Lausitzer Wölfe

Für Weidetierhalter in der Lausitz wird der Wolf zum immer dunkleren Kapitel im Kampf un die Existenz. Sachsen fordert ein aktives Populationsmanagement.FOTO: dpa / Gerardo Vieyra

Niesky. Christdemokraten halten, auch unter dem Druck der betroffenen Landwirte und Jäger, die Zeit für ein aktives Wolfspopulationsmanagement in Deutschland jetzt für absolut reif. Das Bundesnaturschutzgesetz muss dafür geändert werden. Der Koalitionspartner bremst. Der Streit schwelt.

Lausitzer Weidetierhalter fordern nachdrücklich die Schutzjagd auf den Wolf und damit ein aktives Populationsmanagement. In der sächsischen und brandenburgischen Lausitz sind den Angaben der Jägerschaft zufolge bereits so viele der Raubtiere beheimatet, dass die Weidetierhaltung kaum noch möglich sei. Das beklagt Schäfer Martin Just aus Cunnewitz in der Gemeinde Ralbitz-Rosenthal (Landkreis Bautzen). Das Rosenthaler Wolfsrudel schlägt in seiner Herde, trotz aufwendigen Schutzes, immer wieder gnadenlos zu. Dem Unternehmer graut vor dem August. Denn die Zeit der Jagdschule für den Wolfsnachwuchs ist gekommen. Und die schlage zunehmend ruinös ins Kontor.

Mit etwa 700 geschlechtsreifen und damit reproduktionsfähigen Wölfen beziffert Michael Stübgen (CDU), Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, die Zahl der Raubtiere in Deutschland. Den Bundespolitiker und den Ministerpräsidenten des Freistaates Sachsen, Michael Kretschmar (CDU), hat am Dienstagabend in einer Gesprächsrunde der geballte Unmut von etwa 50 Jägern und Tierhaltern in Kosel bei Niesky getroffen. Denn neben wirtschaftlichen Schäden wachse auch die Angst vor dem Wolf, der den Ortschaften immer näher kommt und nur wenig Scheu vor der Zivilisation zeige. Die Sicherheit der Bevölkerung wird eingefordert. Frankreich zeige, dass das geht. Das Land hat – im Rahmen der europäischen Gesetzgebung – den Wolf zur Schutzjagd freigegeben, um den Bestand bis zum Jahr 2020 bei maximal 250 Tieren zu halten. Den Deutschen fehle dafür die Courage. Die Behörden versteckten sich vor der jeweils höheren Instanz bis nach Brüssel. Das beklagt auch Hans-Dietmar Dohrmann, der Vorsitzende des Jagdverbandes Niederschlesische-Oberlausitz. Dass der Wolf in Städte und Dörfer wie beispielsweise Rothenburg und Weißkeißel (Landkreis Görlitz) vordringe, gehe zu weit. Hier seien klare Regelungen notwendig, um dem Tier nachhaltig Einhalt zu gebieten.

Mit etwa 1000 Tieren gibt der Jagdverband die Größe der deutschen Wolfpopulation an. Staatssekretär Stübgen hält das für realistisch. Denn die Population vermehre sich jährlich um etwa ein Drittel. „Damit sind die Voraussetzungen für ein aktives Wolfsmanagagement praktisch gegeben“, sagt er. Doch formal rechtlich sei das Kurzhalten der heimischen Wildart durch Abschüsse nach europäischem Artenschutz nur möglich, wenn dieser „günstige Erhaltungszustand“ auch festgestellt ist. Darüber streiten das Naturschutz- und das Landwirtschaftsressort im Bund derzeit noch heftig. Auch das Bundesnaturschutzgesetz, das beim Schutz des Wolfes noch über den Rahmen der europäischen Festlegungen hinaus geht, müsste geändert werden. Das Ziel sei im Koalitionsvertrag zwischen den Unionsparteien und der SPD zwar verankert - die SPD aber sträube sich.

(kw)
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