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Arbeitsmarkt

Mit Nahles im Leiharbeiter-Karussell

Dem Missbrauch der Leiharbeit wollte die damalige Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) „einen Riegel vorschieben“ und für eine „faire Bezahlung“ der Betroffenen sorgen. FOTO: J“rg Sarbach

Berlin/Eschborn. 2017 wurde das Gesetz zur Arbeitnehmerüberlassung reformiert. Doch für viele wirken sich die Neuerungen negativ aus.

  Es hätte doch alles besser werden sollen: Dem Missbrauch der Leiharbeit wollte Andrea Nahles (SPD) „einen Riegel vorschieben“ und für eine „faire Bezahlung“ der Betroffenen sorgen. So zumindest hatte die damalige Bundesarbeitsministerin im September 2016 im Bundestag für ihre Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes geworben. Doch nun droht Ungemach. Ab 1. Oktober könnte es für viele Leiharbeiter  heißen: zurück ins Karussell. Manche müssen dann unfreiwillig den Einsatzbetrieb wechseln, einigen droht sogar eine Lohnkürzung, und selbst Arbeitslosigkeit ist im Einzelfall nicht auszuschließen. Es herrscht große Unruhe.

In Deutschland gibt es inzwischen gut eine Million Leiharbeiter. Sie sind bei Zeitarbeitsunternehmen angestellt und werden von diesen an andere Unternehmen befristet „verliehen“. Die Reform war im April 2017 in Kraft getreten. Zeitarbeitern steht seither nach neun Monaten der gleiche Lohn wie dem Stammpersonal zu („Equal Pay“). Nur über Tarifverträge kann davon abgewichen werden. Zudem wurde der Einsatz in einem Betrieb auf 18 Monate begrenzt. Nach dieser „Höchstüberlassungsdauer“, die nun in den ersten Fällen am 30. September abläuft, muss der Kunde den Leiharbeiter fest einstellen oder ihn an den Verleiher zurückgeben.

Doch was Nahles als Sprungbrett in ein sichereres Arbeitsleben angelegt hat, entpuppt sich als widersprüchlich: „Wir gehen zwar davon aus, dass es zu mehr Übernahmen als bisher kommt“, sagt Hans Christian Bauer, Director Social Affairs beim Zeitarbeits-Riesen Randstad. Das Unternehmen befürchtet aber auch, dass der Einsatz vieler betroffener Zeitarbeitnehmer nach 18 Monaten endet und ein Wechsel zu einem neuen Kunden nötig wird. Das heißt: neuer Arbeitsplatz, neue Kollegen, neuer Chef. Noch schlimmer: „Erworbene Equal-Pay-Ansprüche gelten dann nicht mehr“, betont Bauer. Wer Pech hat, verdient also weniger als jetzt. „So führt der eine Teil des Gesetzes den anderen Teil des Gesetzes ad absurdum“, kritisiert Bauer.

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