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RUNDSCHAU-Serie

Viel mehr als nur Hormone

Ich kann dich gut riechen: „Wenn sich zwei verlieben, dann wirkt erst einmal ein genetisches Grundprogramm“, sagt Psychotherapeut Dr. Roger Kirchner. FOTO: mintybear - stock.adobe.com / mintybear/fotolia

Cottbus. Der Psychotherapeut Dr. Roger Kirchner nähert sich in der RUNDSCHAU-Serie der Liebe aus wissenschaftlicher Sicht.

Verliebte, die besonders romantisch veranlagt sind, behaupten gerne, ihre Zuneigung zueinander sei vorherbestimmt – eine richtige Seelenpartnerschaft. Liebe sei etwas Abstraktes und könne nicht wissenschaftlich erklärt werden. Die RUNDSCHAU hat es trotzdem probiert. Psychotherapeut Dr. Roger Kirchner ist bewandert in Liebesdingen. Seit 1994 leitet er seine eigene Praxis, in der er unter anderem paar- und sexualtherapeutische Behandlungen anbietet.

Die tiefe Basis für die Liebe ist die Vermehrung, so Kirchner. „Aber man geht nicht tanzen und sagt der netten Frau, mit dir würde ich mich gerne vermehren. Da sind die Chancen gering.“ Unbewusst sei das jedoch die Grundlage. Alles festgelegt durch die Gene, Hormone und Pheromone (Geruchsstoffe) sowie Hirnbotenstoffe. Doch die Liebe lässt sich nicht allein durch chemische und biologische Prozesse entmystifizieren. Die seelische Prägung spielt dabei ebenfalls eine Rolle, schlussfolgert der Psychotherapeut aus seiner langjährigen Berufserfahrung.

Ich kann dich gut riechen: Während seiner Ausführungen springt Kirchner gerne zwischen den wissenschaftlichen Teilgebieten hin und her. Er will die Hintergründe ganz genau darlegen. „Wenn sich zwei Menschen verlieben, dann wirkt erst einmal ein genetisches Grundprogramm“, erläutert er. Der Trieb zur Fortpflanzung steckt in uns. Eine ganze Menge Hormone tragen ihren Teil dazu bei. Testosteron beim Mann und Östrogen bei der Frau sorgen dafür, dass wir uns gegenseitig attraktiv finden. Unbekannter, aber nicht weniger wichtig sind Oxytocin und Vasopressin. Während das erstgenannte Hormon vor allem beim weiblichen Geschlecht in großen Mengen vorkommt, ist Vasopressin überwiegend bei den Männern zu finden. Diese beiden Botenstoffe haben eine ähnliche Wirkung und werden auch als Kuschelhormone bezeichnet. Sie stärken unter anderem das Vertrauen zum Partner und fördern die soziale Bindung. Doch auch an alten Volksweisheiten ist durchaus etwas dran, wie der Psychotherapeut erläutert. Liebe geht auch durch die Nase. „Die Leute sagen manchmal, ich kann den nicht riechen, und das nicht nur, weil derjenige Schweißgeruch hat.“ Das ist ein biologischer und psychologischer Komplex. „Wir riechen die Frauen und die Frauen riechen uns, obwohl wir uns dessen gar nicht bewusst sind.“ Die Konzentration der Pheromone, die wir absondern, ist dafür zu gering.

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