ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
So nicht, Chef!

Was Opfer von Bossing tun können

Mobbing durch den Chef kann Beschäftigte fertigmachen. Manchmal bleibt als letzte Möglichkeit nur ein Jobwechsel. Foto: Alexander HeinlFOTO: Alexander Heinl

Herne. Eineinhalb Jahre Terror. So beschreibt Holger Wyrwa die Zeit, in der er von seiner neuen Chefin gemobbt wurde. Sie wollte, dass er eine Kollegin ausbootet. Er weigerte sich.

Dann durfte er plötzlich keine Briefe mehr selbstständig unterschreiben, musste immer mehr Aufgaben weit unter seinen Fähigkeiten erledigen. Seine Arbeitszeiten wurden akribisch überprüft. Machte er Überstunden, weil er sonst seine Klienten nicht erreicht hätte, warf seine Vorgesetzte ihm ungerechtfertigte Mehrarbeit vor. Mal musste er 200 Adressen von Hand übertragen - absurd angesichts der Tatsache, dass so etwas bislang eine Schreibkraft erledigt hatte.

„Sie wollte mich platt machen“, sagt der Erziehungswissenschaftler und Psychotherapeut rückblickend. „Ich hatte keine Überlebenschance in der Behörde, in der ich damals gearbeitet habe.“ Zunächst versuchte er, im direkten Gespräch mit der mobbenden Chefin eine Lösung zu finden - vergeblich. Auch das Personalbüro konnte nicht helfen. „Ich stand allein mit dem Rücken zur Wand.“ Kollegen duckten sich aus Angst um ihre Position weg.

Wyrwa ist kein Einzelfall. Laut einer Umfrage vom Bündnis gegen Cybermobbing passiert rund jeder zweite Mobbing-Vorfall im Arbeitsumfeld. Dabei ist die Variante des Cybermobbings etwas weniger stark ausgeprägt als Schikanen außerhalb der virtuellen Welt. An knapp der Hälfte der Mobbing-Fälle im Job sind demnach Vorgesetzte beteiligt. Mobbing durch den Chef wird auch Bossing genannt.

top