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Unseriöse Anbieter mischen mit

Heimtest auf Geschlechtskrankheiten aus dem Netz

Syphilis oder Tripper - solche Krankheiten sind schambesetzt. Wer den Arztbesuch scheut, findet allerlei Tests für die eigenen vier Wände. Foto: Thomas Schützenberger/Deutsche Aids-HilfeFOTO: Thomas Schützenberger

Berlin. „Ich doch nicht!“ „Das geht schon von alleine wieder weg.“ „Deshalb muss ich nicht zum Arzt.“ Norbert Brockmeyer kennt die Mechanismen der Verdrängung, wenn es um sexuell übertragbare Infektionen, kurz STI, geht.

Syphilis, Tripper und ähnliche Krankheiten nehmen seit Jahren wieder zu in Deutschland, wie der Präsident der Deutschen STI-Gesellschaft sagt. Und auch wenn sich oft keine akuten Symptome zeigen, sind die Folgen keineswegs harmlos. Die Hürden beim Zugang zu Tests müssten deshalb schwinden, fordern Experten vor dem Welttag der sexuellen Gesundheit am 4. September.

Bisher ist es so, dass Testwillige sich nicht nur selbst ihr Risiko eingestehen müssen, sie müssen sich auch jemandem offenbaren - beim Arzt, dem Gesundheitsamt oder etwa in den sogenannten Checkpoints von Aids-Hilfen. In anderen Ländern wie Großbritannien kann man sich ohne jeglichen Kontakt zum Arzt Tests nach Hause schicken lassen, selbst die Proben entnehmen und diese ins Labor schicken, wie Armin Schafberger, Medizinexperte bei der Deutschen Aids-Hilfe, sagt. Die Kosten würden übernommen. Körperliche Untersuchungen, peinliche Momente und die Angst, moralisch verurteilt zu werden, fallen so weg.

Geschäftsleute haben die Lücke in Deutschland erkannt und bieten über das Internet diverse STI-Schnelltests für den Heimgebrauch an. Die Seiten seien auf Deutsch, sähen seriös aus und Tests hätten oft das CE-Zeichen, sagt Experte Klaus Jansen vom Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin. Antibiotika würden gleich mit angeboten. Käufer bekämen jedoch Tests, die nicht auf bewährten Methoden beruhten und wenig aussagekräftige Ergebnisse lieferten. Auf dem deutschen Markt sei die Abgabe von Heimtests ohne vorherigen Arztkontakt bisher nicht möglich, sagt Jansen. Grund ist das Fernbehandlungsverbot - dessen Lockerung ist aber bereits beschlossen.

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