Landflucht

Auch Städten lebende Wildtiere bleiben Wildtiere

Viele Wildschweine zieht es in die Stadt. Hier finden sie leichter Nahrung. Foto: Gregor Fischer/dpaFOTO: Gregor Fischer

Frankfurt/Main. Die Wildschweine durchbrachen unbemerkt den Maschendrahtzaun zu einem Fußballplatz. Offenbar auf Futtersuche wühlten sie ihn um und hinterließen dem Sportverein „SSC Juno Burg“ im mittelhessischen Herborn eine matschige Brache.

„Die Tiere haben den Rasen umgegraben wie einen Kartoffelacker“, berichtet Hauptkassierer Karl-Heinz Woyczyk. Trainieren können die Kicker auf ihrem Platz nun erst einmal nicht mehr. Ein ungewöhnlicher Fall - aber längst nicht der einzige, wo Mensch und Wildtier in Konflikt geraten.

Immer mehr wildlebende Tiere verirren sich in die Städte, wie Naturschützer beobachten. „Der Trend, dass Wildtiere in die Grüngürtel der Städte ziehen, ist in den letzten 50 Jahren gestiegen“, berichtet Berthold Langenhorst, der Sprecher des Naturschutzbundes Hessen (Nabu). Wegen der zunehmenden Industrialisierung werden zum einen Lebensräume der Tiere zugebaut. Zum anderen finden die Tiere in Städten teilweise leichter Nahrung, wie er erklärt. Schließlich stehen dort an jeder Ecke Mülltonnen oder Sträucher.

Eine weitere Ursache sei die schwindende Strukturvielfalt. Eintönige Landschaften lösen das Nebeneinander von Wiesen, Wäldern, Gebüschen und Gewässern ab. „Dadurch gibt es weniger Versteckmöglichkeiten für die Wildtiere“, erklärt Langenhorst. Umso attraktiver und verlockender erscheinen dann die gepflegten Hecken und Sträucher in den städtischen Vorgärten. Diese nutzen die Wildtiere jedoch nicht nur zum Verstecken, sondern auch, um ihre Jungen zur Welt zu bringen.

Das Nutznießen der Wildtiere, insbesondere das der Wildschweine, geht meist noch weiter: Auf der Suche nach Nahrung verwandeln sie den Garten oder eben einen Fußballplatz in einen Acker. Das erfolge aber nicht mit Absicht, wie Langenhorst versichert: „Im Winter herrscht Nahrungsknappheit. Durch das Umgraben erhoffen sie sich ein paar Regenwürmer oder andere Insekten.“

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