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Filmfestival Cottbus: Kopf des Tages

Diese Stimme geht direkt ins Ohr

Ganz Ohr: Übersetzerin Katharina Hinderer an ihrem Arbeitsplatz beim Filmfestival in Cottbus.FOTO: LR

Cottbus. Konzentration und eine kräftige Stimme: Das ist Katharina Hinderer im November wichtig. Sie ist die Stimme im Ohr der Kinobesucher beim Filmfestival in Cottbus.

Katharina Hinderer trinkt Salbei-Tee. Das Getränk ist ein Bestandteil ihrer Tätigkeit. Hinderer arbeitet für das Filmfestival in Cottbus. Die Wahrscheinlichkeit, von ihr zu hören, ist dieser Tage groß. Denn sie ist Übersetzerin und verbringt ihre Arbeitszeit in kleinen Kabinen am Ende des Kinosaals mit einem Kopfhörer und Mikrofon ausgestattet. Eine Tätigkeit, die höchste Konzentration verlangt. „In der Regel dauern die Filme rund 90 Minuten. Das bedeutet 90 Minuten absolute Aufmerksamkeit“, sagt Hinderer und verweist auf die Kollegen im Europäischen Parlament. „Die Dolmetscher dort wechseln sich jeweils nach 15 Minuten ab.“ Immerhin kann sie sich auf die Filme vorbereiten. Eine Woche vor Festivalbeginn bekommt sie die Beiträge in tschechischer und slowakischer Sprache. Danach folgt ein Ritual, das sich so ähnlich vor jedem Filmfest wiederholt. Der erste Blick, den Hinderer auf einen Beitrag wirft, ähnelt dem Verhalten des Kinopublikums. Sie lässt sich auf die Atmosphäre des Films ein und macht nichts. Erst in einem zweiten Schritt beginnt sie mit der Übersetzung.

Anders verhält es sich mit Filmgesprächen, die sie live im Anschluss an die Ausstrahlung begleitet. Hier muss sie spontan und schnell sein. Vieles macht bei der Übersetzung nur im Kontext Sinn. Da kann es auch sein, dass das Publikum durch unterstützende Gestik und Mimik des Sprechenden rascher reagiert als die Übersetzerin in der entfernten Kabine. Hinderer: „So erging es mir im Jahr 2017. Da haben die Gäste im Filmgespräch schneller verstanden als ich, weil der Regisseur mit Händen und Mimik vorgemacht hat, was er meint“. Den Umgang mit Stress und unvorhergesehenen Situationen habe sie mit den Jahren gelernt. Das ist auch gut so. Denn immer wieder erreichen falsche Filmfassungen die Festivalorganisatoren. Im besten Fall in einer Sprache, die die Übersetzerin ebenfalls spricht.

Die große Herausforderung für einen Dolmetscher sind nicht selten Kinderfilme. Sie leben oft von Wortspielen und Witzen, die schwer zu übersetzen sind. In Cottbus fühlt sich die Leipzigerin Hinderer auch deswegen wohl, weil sich hier im November eine „kreative Betriebsamkeit einstellt, die junge und alte Besucher gleichermaßen anlockt“.

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