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28. Filmfestival in Cottbus

Geschichten von Einsamkeit und Selbstzerstörung

Wettbewerbsspielfilm „Abgelehnt“: Eine junge Frau kehrt aus der Stadt in ihr kasachisches Dorf zurück - mit ihrem Sohn, aber ohne Mann ...FOTO: Sun Production

Cottbus. Krieg, Nationalismus und Einsamkeit waren schon in den 1990er-Jahren zentrale Motive des Filmfestivals Cottbus. Sie sind es heute, knapp 30 Jahre später, wieder.

Programmdirektor Bernd Buder erinnert sich gern an den Beginn der Cottbusser Erfolgsgeschichte. Als das Filmfestival 1991 Premiere feierte, umfasste das Programm eine Din-A-4-Seite mit zehn Produktionen aus Osteuropa. Heute können Festivalbesucher aus einem umfangreichen Filmangebot mit 220 Beiträgen wählen.

„Die Situation des Einzelnen in einer Gesellschaft, an der das Individuum wenig ändern kann, war Ende der 90er ein wichtiges Thema“, sagt Buder. Ein Motiv, das auch im Jahr 2018 eine wichtige Rolle spielt. Stilistisch seien die Unterschiede zu damals aber nicht zu übersehen. Die Verzweiflung der Menschen haben die Regisseure in den 90er Jahren häufig in eine stereotype Charakterschilderung übersetzt. Buder: „Es wurde sehr viel Alkohol getrunken und geraucht. Die Verzweiflung fand ihren Ausdruck in der Selbstzerstörung“. In den aktuellen Produktionen seien die Filmfiguren deutlich subtiler gezeichnet. So wie in der ukrainisch-deutschen Koproduktion „Volcano“, in der der Protagonist Lukas als Teil einer OSZE-Mission im Süden der Ukraine strandet und sich in einer surreal anmutende Welt wiederfindet. Dort herrschen Anarchie und das Recht des Stärkeren und trotzdem gelingt es dem Hauptdarsteller, in den zufälligen Begegnungen mit anderen Menschen einen Ausweg aus dem Chaos zu finden. „Dennoch steht nicht die Gemeinschaft als Lösung im Vordergrund.“ Vielmehr sei in den Produktionen zu beobachten, dass sich die Protagonisten „auf die jeweils eigene Insel“ zurückziehen.

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