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Lausitzer Geschichte

Als die Lausitz polnisch wurde

Blick auf Bautzen mit der Ortensburg im Hintergrund.FOTO: picture alliance / Monika Skolim / Monika Skolimowska

Bautzen. Vor 1000 Jahren wurde in Bautzen ein Friedensvertrag geschlossen, der für die Lausitzer Sorben und Wenden Folgen hatte. Für kurze Zeit wurden sie Teil Polens. Wie kam es dazu – und was bedeutet der Friedensvertrag von Bautzen heute für uns?

„In Polen lernt es jedes Kind in der Schule, dass es 1018 den Friedensschluss von Bautzen gegeben hat. Hierzulande ist das Thema fast komplett in Vergessenheit geraten“, hat Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens zu Beginn des Jahres anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten in Bautzen festgestellt. „Aus meiner Sicht weist uns der Frieden von Bautzen heute ganz sinnbildlich auf die über eintausendjährige wechselvolle Beziehungsgeschichte von Polen, Deutschen und Sorben hin“, sagt Friedrich Pollack. Er ist Leiter der Abteilung Kulturwissenschaften am Sorbischen Institut, das gemeinsam mit anderen Projektträgern in diesem Jahr an das Jubiläum des Friedensvertrages erinnert.

Doch der Reihe nach. Zunächst muss man die Vorgeschichte des Friedensvertrages kennen, der am 30. Januar 1018 auf der Bautzener Ortensburg geschlossen wurde. Schauplatz der Handlung ist das Land der Milzener (Milska) rund um Bautzen und das Land der Lusitzer im Gebiet der heutigen Niederlausitz. Die fruchtbaren Gebiete gehören zur Sächsischen Ostmark des römisch-deutschen Kaiserreiches. Vor allem das Gebiet der Milzener ist interessant, da es nicht nur fruchtbare Ackerböden, sondern mit seiner Lage an der wichtigen Handelsstraße Via Regia auch satte Einnahmen verspricht. Seit rund 100 Jahren herrschten die deutschen Kaiser über die Gebiete. Das ging nicht immer unblutig zu.Überliefert ist unter anderem ein Feldzug des Markgrafen Gero gegen die slawischen Lusitzi im Gebiet der heutigen Niederlausitz im Jahr 963.

Doch die deutschen Herrscher hatten andere Probleme als das verschlafene Sorbenland. Und so wurde ein anderer Nachbar auf die scheinbar leichte Beute aufmerksam: Polens Herzog und späterer König Bolesław I.  „Mit dem Tod Kaiser Ottos III. im Jahr 1002 und der kurz darauf erfolgten Ermordung seines potenziellen Nachfolgers Ekkehard I. von Meißen brachen Anfang des 11. Jahrhunderts urplötzlich zwei wichtige Machtstützen der deutschen Herrschaft weg. Nun sah Bolesław seine Chance gekommen und bemächtigte sich im Handstreich der Burg Bautzen“, beschreibt Pollack die Lage.

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