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Geschichte

Auf den Spuren der deutschen Kolonialzeit

Angehörige der namibischen Volksgruppe der Herero stehen, teils in traditioneller Stammestracht, in der namibischen Stadt Okahandja am Grab eines verstorbenen Oberhäuptlings. FOTO: dpa / Jürgen Bätz

Windhuk/Okahandja/Qingdao/Berlin. Vor 100 Jahren endete die deutsche Kolonialherrschaft in Asien, in der Südsee und in Afrika. Sie dauerte nur kurz, hat aber Wunden hinterlassen, die bis heute noch nicht verheilt sind.

Die Grabsteine der kaiserlichen Soldaten stehen poliert in Reih und Glied: „Reiter Emil Büttner“, „Gefreiter Rudolf Kux“, „Unteroffizier Flori Martini“ und viele andere Deutsche sind in der Stadt Okahandja nördlich von Namibias Hauptstadt Windhuk begraben. Sie kamen 1904 im Kampf gegen den Aufstand des Hererovolks ums Leben. Rund 100 Gräber schmiegen sich würdevoll an die von Missionaren gegründete lutherische Kirche. Im Hinterhof der Kirche liegen zusammengedrängt die Gräber der wichtigsten Herero-Anführer. Deren staubiger Friedhof ist mit Stacheldraht abgegrenzt und kaum 50 Quadratmeter groß.

Die Kirche von Okahandja ist bis heute ein Spiegelbild der Herrschaftsverhältnisse, wie sie zur deutschen Kolonialzeit zwischen 1884 und 1915 im damaligen Deutsch-Südwestafrika waren. Die Herero, deren Vorfahren zu Zehntausenden von deutschen Truppen niedergemetzelt wurden, kommen trotzdem gerne hierher. „Für uns ist es wie ein heiliger Ort“, erklärt der 82-jährige Aktivist Festus Ueripaka Muundjua. Die Gräber der Häuptlinge stünden auch stellvertretend für die Herero, die getötet wurden oder auf der Flucht starben, aber kein Grab bekommen haben.

Für den Besuch bei den Ahnen tragen die meisten Herero ihre Tracht, die ebenfalls ein Testament der kolonialen Vergangenheit ist: Bei den Frauen sind es ausladende viktorianisch anmutende Kleider. Die Herero – traditionell ein Volk von Rinderhirten – passten die Tracht etwa mit einem sperrigen Hut an, dessen Form an Rinderhörner erinnern soll. Die Männer wiederum tragen Uniformen, die an die kaiserliche „Schutztruppe“ erinnern.

(dpa)
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