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Der vollständige Text in Übersetzung:

„Kommt ruhig näher und hört zu.

Die drei Strophen hier sind ganz speziell für euch.

Warum wir hier sind, ist womöglich nicht ganz klar,

so wie es auch sicher ist, dass ein Lied nicht genügt,

um all die Vorurteile abzubauen, die seit dreißig Jahren

von kalten Kriegern hochgeschätzt in Ost und West,

weil es so schön simpel, wenn auch grausam ist,

wenn man alles wie bisher

in ein schwarz-weiß-und-gut-und-böse-Schema presst.

Wie oft schon haben sie euch und uns damit belogen,

die Angst geschürt, in Bundeswehr und Volksarmee,

uns wo es nur ging um jede Gemeinsamkeit betrogen.

Damit das anfängt aufzuhören, spielen wir hier.

Refr.: He du da und du, wann ist es hier soweit,

dass man das Maul aufmachen darf,

wenn man was sagen will, wird höchste Zeit,

dass die Versteckspiel-Regeln nicht mehr interessieren.

Es weiß jeder längst, was euch und uns bedroht.

Und wer`s noch nicht weiß, soll es endlich hören.

Das wollen wir feiern, grenzenlos.

Wo wir herkommen, wird es kälter Tag für Tag,

es sind Pharisäer, die sich Christen nennen an der Macht.

Doch wer sich wie nennt, ist bekanntlich ja so eine Sache.

Lasst uns nur Menschen sein, ob Frau, ob Kind, ob Mann.

Wir spielen hier um euch zu treffen,

selbst zu spüren, was hier lost ist,

haben unsere eigene und keine gespaltene Zunge,

sind nicht auf Beifall aus der falschen Ecke scharf,

nein, wir wollen nur beim Klartext bleiben,

ohne jede Beschönigung.

Wir sind gespannt auf jede Schwester, jeden Bruder,

von Eisenach bis Frankfurt an der Oder.

Wir freuen uns wie bekloppt und deshalb spielen wir hier.

He du da und du, wann ist es hier soweit,

dass man das Maul aufmachen darf,

wenn man was sagen will, wird höchste Zeit,

dass die Versteckspiel-Regeln nicht mehr interessieren.

Es weiß jeder längst, was euch und uns bedroht.

Und wer`s noch nicht weiß, soll es endlich hören.

Das wollen wir feiern, grenzenlos.

Und noch was, falls es nicht schon ohnehin bekannt,

das an die Clique, die sich Volksvertreter nennt.

Uns kriegt ihr vor keine offizielle Karre gespannt,

hier wo was anderes unter unseren Nägeln brennt.

Denn wir haben Freunde hier,

die haben keine weiße Taube auf blauem Grund,

die haben einen Schmied,

der macht ein Schwert gerade zu einem Pflug,

eine SS-20 zu`nem Traktor und `ne Pershing zu `ner Lok,

die haben vom Rüstungsschwachsinn – so wie wir- genug.

Es sind Pazifisten ohne „Wenn und Aber“,

ohne Hintertür, die sagen NEIN,

die haben die Nase voll von all der Laberei.

Ganz besonders für unsere Freunde spielen wir hier.

He du da und du, wann ist es hier soweit,

dass man das Maul aufmachen darf,

wenn man was sagen will, wird höchste Zeit,

dass die Versteckspiel-Regeln nicht mehr interessieren.

Es weiß jeder längst, was euch und uns bedroht.

Und wer`s noch nicht weiß, soll es endlich hören.

Das wollen wir feiern, grenzenlos.“

Unger Linde, enn Berlin

2004 hat Wolfgang Niedecken die Ereignisse 20 Jahre zuvor in einem wietern Lied verarbeitet. „Unter Linden, in Berlin“ lautet der Titel übersetzt. Die Liedzeilen lesen sich im Hochdeutschen so:

„’84, unter Linden, Winterabend, Januar.

Ostberlin, die Mauer von hinten, Showdown in der Hotelbar.

Funktionäre, Diplomaten, wem vertraut man und wem nicht?

Eine Handvoll nützlicher Idioten, die sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Berlin, Berlin – Unter Linden, in Berlin.

Berlin, Berlin –Unter Linden, in Berlin.

Ausgecheckt Unter den Linden, Moritzplatz, der Vopo strahlt,

Weiß noch nicht, dass wir verschwinden, hat eine Karte für morgen Nacht.

Dann die Blitzlichter und die Mikrophone und der schleimige Applaus,

Sehr, sehr wichtige Personen, die man langsam jetzt durchschaut.

Berlin, Berlin –’84 in Berlin.

Fünf Jahre danach ist es passiert,

Ich saß daheim vorm Fernseher, merkwürdig berührt,

Wie jedesmal, wenn ich hier bin,

Ecke Friedrichstraße / Unter den Linden in Berlin.“

Jraaduss

Für viele Fans in der DDR war dieses frühe BAP-Lied eine Hymne, beschrieb es doch scheinabr passend ihre Lage. tatsächlich war es aber ein Abschiedslied an eine Jugendliebe, wie Wolfgang Niedecken im RUNDSCHAU-Interview verrät. Hier der vollständige Text im Hochdeutschen:

„Manchmal sitz ich hier rum und ich frag mich, warum

Es so kommen musste, wie es kam, wie es jetzt ist,

Und ich sag mir, dass es irgendwo weitergehen muss – geradeaus.

Noch hängt dein Bild an der Wand und macht mich regelrecht krank,

Hab deine Stimme im Ohr und ich frage mich nur,

Ob das alles nichts war in den letzten paar Jahren – mit dir.

Bleib da, wo du bist,Halt dich irgendwo fest

Und bleib so, wie du warst:

Geradeaus.

Ab und zu merk ich dann, wie gut es tun kann,

Wenn man Luftschlösser baut, auf Zufälle vertraut,

Gar nichts mehr plant, auf gar nichts mehr wartet – nur so.

Dann wird alles verdrängt, weil sonst nichts mehr was bringt,

Weil sonst Himmelblau Grau wird und mir alles zuviel wird,

Weil in jedem Gedanken ein Bild von dir steckt – geh weg.

Bleib da, wo du bist,

Halt dich irgendwo fest

Und bleib so, wie du warst:

Geradeaus.

Es war schön, es war gut, vielleicht ein bisschen zu kurz,

Tausendundeine Nacht mit Blitz und Donnerkrach,

Ein Film ohne Schluss, in dem nichts ist, wie es muss – geradeaus.

Denk mal ab und zu dran, an das, was uns noch bleibt,

Was uns keiner mehr nimmt, weil es wahr ist und stimmt:

Das Stück „Ich“ von dir und das Stück „Du“ von mir – geradeaus.

Bleib da, wo du bist,

Halt dich irgendwo fest

Und bleib so, wie du warst:Geradeaus.

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