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Pollack: Im Zentrum dieses Konfliktes, in dem es wie in jedem Krieg natürlich um viel mehr ging, aber im Zentrum dieses Konfliktes zwischen Heinrich und Bolesław stand das heutige Mitteldeutschland, stand die Mark Meißen und stand insbesondere das Gebiet der heutigen Ober- und Niederlausitz. Beide Herrscher, der deutsche und der polnische (und eine zeitlang auch der Herzog von Böhmen), kämpften zu Beginn des 11. Jahrhunderts um die Vorherrschaft in diesem Raum. Denn das Land zwischen (grob gesagt) Saale, Elbe und Neiße versprach doch einen beträchtlichen Machzuwachs für denjenigen, der es dauerhaft unter seine Herrschaft bringen konnte:

- hier lebten slawische Stämme, die Vorfahren der Sorben, die es noch zu christianieren galt (das war sozusagen das theologisch-heilsgeschichtliche Argument)

- hier gab es aber auch weit und breit fruchtbaren Lössboden, der sich zum Anbau und zur Besiedlung hervorragend eignete

- und hier führte mit der Via Regia eine der wichtigsten internationalen Fernhandelsstraßen lang.

Wie kam es dann zum Frieden?

Pollack: Nachdem sich Heinrich und Bolesław mehr als ein Jahrzehnt lang mit wechselndem Erfolg bekriegt und bekämpft hatten, schlossen sie im Januar 1018 zu Bautzen besagten Friedensvertrag und einigten sich miteinander auf die künftigen Machtverhältnisse in Mitteldeutschland – heute würde man sagen in Form eines Kompromisses: Bolesław wurde die Herrschaft über die beiden Lausitzen zuerkannt, während die Mark Meißen im Besitz der Ekkehardiner – also eines kaisertreuen Geschlechts – verblieb. Bekräftigt wurde dieser Friedensschluss übrigens nach der damals üblichen Sitte: man tauschte einige Geiseln miteinander aus und Bolesław vermählte sich mit Oda, einer Tochter des Meißner Markgrafen Ekkehard I.

(bob)
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