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Interview

„Sie legte den Grundstein für die Industrialisierung“

Kathrin Unger, Leiterin des Kunstgussmuseums Lauchhammer. Foto: str  FOTO: Steffen Rasche

Die Leiterin der Kunstgussmuseum Lauchhammer erklärt, welche Rolle die Freifrau von Löwendal für die Lausitz gespielt hat.

Frau Unger, welche Bedeutung hat die Freifrau von Löwendal für den Industriestandort Lauchhammer?

Kathrin Unger Benedicta Margaretha Freifrau von Löwendal übernahm 1718 von ihrem Gemahl Woldemar Freiherr von Löwendal das Lehngut Mückenberg und war bestrebt, in dieser bis dahin unbedeutenden Region für sich und die Bewohner neue Möglichkeiten zu schaffen. Da Landwirtschaft aufgrund der sandigen Böden nur wenig ertragreich und auf den sumpfigen Wiesen kaum Viehhaltung möglich war, plante sie den Bau einer Brettmühle. Beim Bau dieser Mühle wurden umfangreiche Vorkommen von Raseneisenerz entdeckt und daraufhin erfolgte die Errichtung eines Eisenhammerwerkes. Das war die Geburtsstunde des Eisengusses, der später die Stadt Lauchhammer weltberühmt machte. Gleichzeitig legte sie damit den Grundstein für die frühe Industrialisierung der heutigen Lausitz.

Was ist über ihre Arbeit, ihr Engagement für den Ort überliefert?

Unger Die Freifrau von Löwendal wirkte 51 Jahre in der Region um Lauchhammer. Sie entfaltete mit persönlicher Energie und Risikobereitschaft ein Unternehmertum, das dafür sorgte, die Lage der Bevölkerung ihres Gutsbezirks nachhaltig und spürbar zu verbessern. Sie schaffte Dauerarbeitsplätze, baute ein intaktes System der betrieblichen Selbstversorgung auf, stellte Betriebswohnungen bereit, förderte die Schulbildung und ließ Armenhäuser sowie 1746 die Schlosskirche errichten. Heute gilt sie als eine der ersten und ebenso erfolgreichen Unternehmerinnen der Niederlausitz.

Wo ist sie heute im Stadtbild noch sichtbar?

Unger Beigesetzt wurde die Freifrau nach ihrem Tod 1776 in der Familiengruft in der Nikolaikirche in Lauchhammer-Mitte. Eine vom Bildhauer Hermann Hultzsch (1837 – 1905) geschaffene Eisenbüste der Freifrau von Löwendal empfängt die Besucher im Eingangsbereich des Kunstgussmuseums in der Freifrau-von-Löwendal-Straße in Lauchhammer Ost. Ein vermutlich aus dem 19. Jahrhundert stammender Eisenguss befindet sich bis heute auf dem ehemaligen Werksgelände der Gießerei Lauchhammer. Ein weiterer Abguss findet sich im Empfangsbereich bei Takraf Tenova. Einer Initiative des Frauenpolitischen Rates Land Brandenburg ist es zu verdanken, dass sich Lauchhammer „FrauenOrt“ nennen darf. Daran erinnert eine Gedenktafel im Schlosspark Lauchhammer-West.

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