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Lausitzer Geschichte

Hinter Luckauer Gefängnismauern

Luckau. Historiker, Museumsleiterinnen, Kustoden, Ethnologinnen und Heimatforscher haben wir in unserer Reihe zur Lausitzer Geschichte schon zu Wort kommen lassen. Diesmal ist ein Schüler dran. Martin Rossa hat die dunkle Geschichte des Luckauer Gefängnisses erforscht.

Ein Frühlingstag in der Lausitz. Das Niederlausitzmusem liegt friedlich in der Nachmittagssonne. Im grünen Innenhof des ehemaligen Klosters blüht es, einige Kinder werden aus der Kita auf dem Gelände abgeholt. Nur die vergitterten Fenster am Archivgebäude erinnern an die schreckliche Vergangenheit des Ortes. Der Luckauer Schüler Martin Rossa hat sie aufgearbeitet. „Ich habe Lehrer, Mitschüler und meine Eltern befragt – über die Geschichte des Gefängnisses wusste keiner Bescheid“, erzählt er. Also machte der 18-Jährige genau das zum Thema seiner Seminararbeit – und noch mehr. Am kommenden Sonntag wird er beim Internationalen Museumstag um 14 Uhr eine Führung für Interessierte im ehemaligen Gefängnis anbieten.

Der Schüler Martin Rossa hat die Geschichte des Gefängnisses in der Hitlerzeit erforscht und lädt nun zur Führung ein. FOTO: LR / Bodo Baumert

Die Zeit, die Martin Rossa untersucht hat, ist die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland. Mit der Machtergreifung 1933 erfährt auch die bereits zuvor als Gefängnis genutzte Anlage mitten im Luckauer Stadtzentrum neue Verhältnisse. Neben Kriminellen werden zunehmend „Politische“ eingesperrt. Über 50 Prozent beträgt der Anteil der Politiker, Gewerkschafter und anderer, die den neuen Machthabern ein Dorn im Auge sind, bald. Entsprechend steigen die Gefangenenzahlen. Auf 550 Insassen ausgelegt, beherbergte das Zuchthaus 1936 bereits über 900 Gefangene. Keine Ausnahme, im gesamten Deutsche  Reich habe sich die Zahl der Gefangenen nach 1933 verdoppelt, erläutert der Historiker Nikolaus Wachsmann von der Universität London.

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