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Kommentar

Warum schweigen die Fußballer zu Chemnitz?

FOTO: LR / Sebastian Schubert

Cottbus. Der Hashtag #wirsindmehr und das Konzert gegen Rechts in Chemnitz war in aller Munde - nur nicht im Profi-Fußball. RUNDSCHAU-Reporter Jan Lehmann sagt in seinem Kommentar, warum sich die Topstars da ausgerechnet eine Inspiration aus den USA holen sollten.

Haben Sie mitbekommen, wie die  deutschen Fußballprofis in den sozialen Netzwerken unter dem Hashtag #wirsindmehr zum Konzert gegen Rechts in Chemnitz Stellung genommen haben? Nein? Ich auch nicht. Bis auf wenige Ausnahmen, wie der Senftenberger Sebastian Schuppan, der in Würzburg spielt, schwiegen die Profis. Zu einer Veranstaltung, die 65 000 Zuschauer anzog, in aller Munde war und ein friedliches Zeichen setzte.

Erst auf Nachfrage bei der Nationalelf-Pressekonferenz erklärte deren Kapitän Manuel Neuer am Dienstag, das Konzert sei „eine gute Sache“. Ziemlich spät. Am Montag wäre es ihm ein Leichtes gewesen, die Reichweite für die antirassistische Botschaft der Veranstaltung extrem zu vergrößern. Topstars wie Toni Kroos (mehr als 35 Millionen Follower) oder eben Neuer (21 Mio.) haben bei Facebook, Twitter und Instagram einen weitaus größeren Einfluss als viele Politiker. Zum Vergleich: Angela Merkel folgen bei Facebook etwa 2,5 Millionen Menschen.

Doch #wirsindmehr war eben keine rundgelutschte Promo-Aktion wie die ohne Frage vernünftige „Say no to racism“-Kampagne der Uefa. Die Unterstützung des Konzerts in Chemnitz war stattdessen eine Frage des gesunden Menschenverstandes – und vielleicht auch eine der Zivilcourage.

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